Nachbericht der Heiligtumskirchweih am 3.10.2020

Heiligtumskirchweih
Heiligtumskirchweih
Datum:
7. Okt. 2020
Von:
Tamara Horn
Mahnmal für den Frieden
Mahnmal für den Frieden

Das Licht kam aus der Kirche – ein friedlicher Weg zur Deutschen Einheit
 
Mit einem Dankgottesdienst hat die Bamberger Schönstattbewegung am 3.10.2020 auf dem Marienberg an den Mauerfall und die Deutsche Einigung gedacht. Gerade an diesem ehemaligen Natostützpunkt wurde die Geschichte der Wende eindrücklich erfahren. Bis heute erinnert ein Originalstück der Berliner Mauer, dass sich der Ort, wo einst Raketen der Amerikaner stationiert waren, zu einem Wallfahrtsort und einer Stätte des Gebets um Frieden und Einheit in der Welt entwickelt hat. Kein Wunder, dass das Wallfahrtskapellchen, das nun 20 Jahre auf dem Marienberg steht, bei der Einweihung diesen Namen bekommen hat: „Heiligtum der Verbundenheit“. Dieser Name ist gleichsam Programm der Bamberger Schönstattfamilie. Sie fühlt sich verbunden mit dem Erzbistum und gleichzeitig auch mit den politischen Ereignissen unserer Welt.
Aufgrund dieser Verbundenheit im kirchlichen wie im politischen Bereich entstand der Wunsch, diese Verbundenheit zu leben, zu ergehen im wahrsten Sinne des Wortes. Der Wallfahrtsgedanke entstand: genau am 3. Oktober, dem Tag der deutschen Einheit, sollte vom Domberg zum Marienberg gepilgert werden. Inzwischen ist das zu einer schönen Tradition geworden. Sobald die Pilger aus Bamberg den Marienberg erstiegen hatten, wurde zum Abschluss eine Dankmesse gefeiert, die zugleich als Heiligtumskirchweih begangen wird. Musikalisch wurde der Gottesdienst begleitet von einer fünfköpfigen Saxophonband mit dem Bruder von Schwester M. Anne Rath. Eine wunderschöne Premiere! 
Der Gottesdienst mit einer aufrüttelnden Predigt unseres Diözesanpräses Martin Emge fesselte die Gläubigen. Im Rückblick und gleichermaßen in einer Vorschau gelang es dem Prediger, die Ereignisse vor 30 Jahren mit der heutigen Zeit zu verknüpfen.
 
Hier die beeindruckende Predigt des Forchheimer Pfarrers, Martin Emge: 
„Das Licht kam aus der Kirche“
In Heiligenstadt machte sich damals ein Mann auf den Weg zur Montagsdemonstration. Er wollte zum Beten in die Redemptoristenkirche gehen und merkte, dass er alleine unterwegs war. Nur ein einziges Licht brannte in einem Fenster. Er hatte Angst. Was wohl passieren würde? Ob andere auch kämen? Als er zur Kirche kam, war er überrascht, dass sie schon voll war, bis auf den letzten Platz. Über den Seiteneingang gelangte er noch herein. Als ein Bekannter ihn sah und merkte, wie freudig erstaunt er war, nahm er ihn mit und führte ihn durch die Gänge des Klosters. Dort konnte er vom Fenster aus sehen, dass eineriesige Menschenmenge draußen vor der Kirche stand. Die Leute am Kircheneingang waren in ein geheimnisvolles Licht getaucht, in ein Licht, das aus der Kirche kam.
 
Dieses Bild hat sich ihm tief eingeprägt. Betende Christen im Schein der Kerzen, friedfertig und gewaltlos, mit der Zusage Jesu im Herzen: „Ihr seid das Licht der Welt!“ Am 9.10.1989, dem 40. Jahrestag der Staatsgründung der DDR hatten sich bereits Zehntausende Christen in Leipzig versammelt. Und es wurden immer mehr, Montag für Montag, 100.000, 200.000 und schließlich 500.000 mit Friedenslichtern in den Händen. Mit allem hatten die Parteifunktionäre gerechnet und schweres Geschütz aufgefahren, aber mit einer Revolution der Kerzen, damit hatten sie nicht gerechnet.
Dieses Zeugnis der Christen und ihre Zivilcourage haben die Wende eingeleitet. Dafür danken wir heute. Sie haben es im Geist der Bergpredigt getan. Ohne Gewalt, ganz friedfertig und mit dem Bewusstsein, Licht der Welt zu sein. Gleichzeitig stellen sie uns die Frage: und ihr? 
Würdet auch ihr Kerzen in die Hände nehmen und für eure Überzeugungen öffentlich beten und eintreten? Könnte nicht auch heute Licht aus den Kirchen kommen, das anderen Mut macht und sie ansteckt?  Wie leben wir in diesen Tagen unseren Glauben? Gehen wir – jeder/r von uns - hinaus, um Zeugnis zu geben von unserem Christsein? 
Vor 30 Jahren war es das Anliegen, um die nationale Einheit des gespaltenen Deutschlands zu beten.
Heute geht das drängende Gebetsanliegen wesentlich weiter: es hat eine globale Dimension angenommen. So viele Unruheherde und Brandstifter. Der Terrorismus und Diktaturen treiben Millionen Menschen aus ihrer Heimat fort und lassen sie als Flüchtlinge irgendwo stranden. Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, soziale Ungerechtigkeit, eine immer größer werden Schere zwischen armen und reichen Nationen, Ausbeutung und Sklaverei, Christenverfolgung und ein beängstigender Klimawandel. Das sind die Themen, die heute unter den Nägeln brennen. Damals haben die Bürger „Wir sind das Volk!“ gerufen. Heute müsste es heißen: „Wir sind die Welt!“ Oder christlich ausgedrückt: „Wir sind das Licht der Welt!“
Fangen wir in unserer Umgebung an. Nehmen wir Kerzen in die Hand und suchen wir friedliche Wege des Dialoges, hin zu einer neuen Verbundenheit untereinander. Stehen wir zu unserem Glauben und zu dem, der für uns das Licht des Lebens ist! Werden wir auf unserer gefährdeten und zerstrittenen Erde für andere zum Licht der Welt!