Zum Inhalt springen

Gedenkgottesdienst zum 84. Todestag von Pater Franz Reinisch im Zusammenhang mit dem Märtyrer Pater Robert Linkenbein

210826 zwei Märtyrer
Zwei Seligsprechungen - zwei Patres - zwei Märtyrer
Datum:
25. Aug. 2026
Von:
Renate Siebenkäs
Gemälde Franz Reinisch von Andreas Hornung _ im Reinischhaus Foto AH


Gleich beim Eintreten ins Heiligtum der Verbundenheit fielen zwei Portraits auf: das rot umhüllte Bildnis mit Pater Franz Reinisch, das sonst in der Hauskapelle hängt und rechts weiter oben Pater Rudolf Lunkenbein, eine Seite seines Portraits ebenfalls mit einem roten Tuch gestaltet. Rot, die Farbe der Märtyrer, die sie beide sind. Fast könnte der Eindruck entstehen, dass es Brüder seien.
 
Schönstattpriester Andreas Hornung begrüßte die kleine Schar mit: „Zwei Seligsprechungsverfahren, zwei Patres, zwei Märtyrer – so wurden Sie zu diesem Gedenkgottesdienst eingeladen. Zwei Patres, die Spuren bei uns im Frankenland hinterlassen haben: der Franke Rudolf Lunkenbein und der Südtiroler Franz Reinisch.“
 
Beide Männer lassen sich auch gut vergleichen, meinte Andreas Hornung: „Das prägte sie: Je mehr Schwierigkeiten sie zu meistern hatten, desto fester standen sie zu ihrer Überzeugung.“ Und er fuhr fort: „Gemeinsam war der starke, äußere Druck, den beide erfuhren. Die weißen Siedler dort in Brasilien und für Pater Franz das Naziregime. Gemeinsam war ihnen die Liebe zur Gerechtigkeit, zur Wahrheit und vor allem zum Hören auf das Gewissen. Weiterhin waren ihnen die Mitmenschen wichtig und die Beziehung zu Jesus. Beide waren auch große Marienverehrer.“
Pater Rudol Lunkenbein wurde am 15. Juli 1976 von weißen Siedlern getötet. Sie machten den Bororos ihr Land streitig. Und heute denken wir vor allem an die Lebenshingabe von Franz Reinisch in Berlin Brandenburg am 21. August 1942 um 5:03 Uhr.
 
Für uns ist die Erinnerung an Pater Rudolf Lunkenbein und Pater Franz Reinisch nicht nur bloße Rückschau auf die Vergangenheit. Sie wird für uns zur Gegenwart, wenn wir an diese beiden Männer denken. Sie wird zum Weg, der uns heute herausfordert, Haltung zu zeigen und junge Menschen darin zu stärken, ihre Welt bewusst und solidarisch mitzugestalten.
 
Geheimnisvoll begann die Predigt mit einem Eintrag vom 11.10.1973:
„Bei uns ist in der vergangenen Nacht wieder ein Indianerbub zur Welt gekommen. 4300 Gramm wiegt er… Vor 14 Tagen habe ich vier Indianerkinder feierlich getauft. Feierlich, weil wir die kirchliche Taufe und die Taufe nach dem Ritus unserer Indianer gleichzeitig und mit Indianertänzen begleitet, vorgenommen haben.“
Bevor Pater Rudolf Lunkenbein zu den Bororos nach Merúri kam, gab es nur noch Sterben, weil keine Hoffnung auf ein Weiterleben existierte. Deshalb gab es keine Kinder mehr im Dorf. Dieses Indianerkind von 4300 Gramm war ein Zeichen des Lebens, ein Zeichen der Hoffnung, ein Zeichen der Zukunft. Nach dem Tod Pater Lunkenbeins schrieb der deutsche Generalkonsul: „Der Erfolg seiner Arbeit kommt wohl am deutlichsten zum Ausdruck, dass jetzt wieder über 70 Kinder zu finden sind.“ Das Land steht nun rechtlich den Boros zu, um dessentwillen Rudolf Lunkenbein gestorben ist. Liebevoll wurde er „Goldfisch“ genannt. Am Ende seines Lebens schreibt Rudolf Lunkenbein: „Mama, es gibt nichts Schöneres, als für Gott zu sterben."  Er ist mit sich seinem Lebenswerk und mit Gott im Reinen. [Ausführliche Infos unter:dubewegstdiewelt.de/]
 
Was zeichnet Pater Franz Reinisch aus?
Es gibt von Pater Franz Reinisch Tafeln an prägnanten Stellen seines Lebens: z.B. in Hall, in Brixen, in Bad Kissingen, in St. Gangolf - Bamberg und in Berlin Brandenburg. Dort weilt jetzt unser Diözesanpräses Martin Emge mit einigen Mitbrüdern, um auf jenem See zu fahren, in dem jedes Jahr in der Nacht zum 21.08. eine Predigt gehalten wird. Eine Erinnerung an die Zeit, in der man sich vor den Mikrophonen der Kommunisten verstecken musste. Das sind alles Stationen seines inneren Weges, seiner inneren Reifung und seiner gereiften Überzeugungen, für die er am Ende sein Leben hingab. 
 
Franz Reinisch glaubte daran, dass der Weg der Gewissenstreue fruchtbar sein wird für die Kirche. In seinem Gefängnistagebuch vom 5. Juli 1942 ist nachzulesen, dass Pater Franz Reinisch an eine baldige Blütezeit der Kirche, die vom Kapellchen aus aufbrechen muss, überzeugt war.
Franz Reinisch gibt uns heute ein ermutigendes Zeugnis. Er will auch uns darauf hinweisen, auf unser Gewissen zu achten. 
In der Liebe, zu die uns Maria hinführt, können wir mit ihrer Hilfe aus einem guten Gewissen handeln, können wir die Welt in uns und um uns verändern. 
Auch im reichen Europa, gibt es Einsamkeit, Not und wie innerlich tote Menschen, die sich nach Leben sehnen. Hier sind wir gefragt: bleibt unser Gewissen kalt, angesichts der Not?
 
Ist nicht die Fackel der Liebe das Kennzeichen von Pater Franz Reinisch? Das bestätigt sein berühmter Satz: „Gerade in dieser Stadt darf ich zur Fackel der Liebe und des Friedens werden…“, Die Fackel der Liebe kann heute durch uns die Welt und die Kirche erneuern. Es folgten reale Beispiele, wie ein reines Gewissen die Welt zum Guten hin verändern kann, dazu gehört z.B. die Zivilcourage, Nein-Sagen lernen oder sich auch einfach mal zu entschuldigen.
 
Nachdem es heftig regnete, wurde die Rosenaktion im Heiligtum durchgeführt. Zunächst schenkte uns Pater Franz Reinisch – wie auf dem Gebetbildchen „versprochen“: 
„Wenn ich einmal oben bin, werde ich manche Rose auf die Erde werfen.“ Danach schenkten die Gläubigen Pater Franz Reinisch eine Rose, mit persönlichen Anliegen verbunden. Zum Abschluss wurde das Heimkehrlied gesungen: „Du bist das große Zeichen…“
 
Der Gedenkgottesdienst machte sehr nachdenklich. Wie schafften es diese beide jungen Männer, ihr Leben zu opfern? Pater Rudolf Lunkenbein starb vor 50 Jahren und Pater Franz Reinischs Urne wurde vor 80 Jahren neben dem Urheiligtum beigesetzt.
Beide könnten Brüder sein. Beide sind auch Brüder, im Glauben, im Mut haben! In der gemeinsamen Liebe zur Muttergottes konnten sie ihren schmerzhaften Weg des Martyriums gehen. Mögen sie, mit dem Dritten im Bunde – Simão Bororo – bald seliggesprochen werden. Dafür beten wir nur zu gerne!