Männerbrotzeit auf dem Marienberg

Mehrmals im Jahr gibt es auf dem Marienberg ein Angebot – ausschließlich für Männer, zu denen federführend Msgr. Josef Treutlein als „Projektleiter“ einlädt. Nach einer deftigen Brotzeit gibt es Impulse von Referenten zu den unterschiedlichsten Themen, die zum Gespräch unter Männern anregen. Anfangs Dezember referierte Domkapitular Martin J. Emge über Pater Franz Reinisch, dem Baupatron des Marienbergs.
Zunächst begann der Referent mit einem Faktencheck: er führte über Fake News zu KI-Täuschungen und zeigte auf, wie heute versucht wird, Menschen mit falschen Nachrichten oder Fotomontagen zu informieren, die auf Anhieb gar nicht mehr als falsch erkannt werden können. Auch die prorussische Propaganda durch Fake-Accounts führte der Referent an. Ziel sei es, die Bevölkerung zu verunsichern.
Martin Emge klärte seine Zuhörer weiter auf und benannte einen besonderen Virus, den „Virus der Freiheit“, der bei Alexej Nawalny besonders ausgeprägt war, ihm das Leben gekostet hat. Inzwischen sind es mehr als Hunderttausende, die sich nicht scheuen, trotz aller Drohungen ihre Stimme für die Freiheit und gegen den Krieg zu erheben. Viele landen im Gefängnis unter fürchterlichen Bedingungen. Zivilcourage braucht es heute mehr denn je.
Diese Zivilcourage führte den Referenten zu Pater Franz Reinisch mit dessen Aussage: „Bei mir beißen die auf Granit!“ Franz Reinisch, ein glaubensstarker, unbestechlicher, couragierter, gewissenstreuer Mann.
Franz nahm kein Blatt vor dem Mund. Für ihn stand die Frage nach dem wahren Messias im Vordergrund. Das war im Hitlerregime sehr gefährlich. 1940 wurde Pater Franz Reinisch bei einem Männereinkehrtag in Winzeln bei Rottweil bespitzelt und angezeigt. Predigt- und Redeverbot waren die Folge. Aus diesem Grunde auch die ständigen Versetzungen in die verschiedensten Pfarreien, um den Zugriff der Gestapo zu vermeiden.
Schließlich kam der Gestellungsbefehl am 7. April 1942 nach Bad Kissingen. Als Soldat mussten alle den Eid auf Hitler leisten. Das war ein No-Go! Einen Eid auf Gott hätte P. Reinisch sofort leisten können. Er war kein Kriegsdienstverweigerer. Aber die Stimme seines Gewissens verbietet Franz Reinisch den Eid auf Hitler, einem Verbrecher zu leisten. Franz Reinisch war sich bewusst, dass mit der Verweigerung des Eids auf Hitler ihn die Todesstrafe erwartete.
So hieß es Abschied nehmen von den Eltern, von Bamberg – dort feierte er in St. Gangolf seine letzte Heilige Messe am 7.5.1942.
Der Kreuzweg einer stärkeren Liebe begann. Er bleibt bei seinem Nein zur Verweigerung des Fahneneids. So wird er nach Berlin-Tegel gebracht. Im Zuchthaus fühlt er sich als Gefangener Christi. Pfarrer Kreutzberg steht ihm zur Seite und ermuntert ihn, alle Gedanken aufzuschreiben. Kurz vor seiner Hinrichtung schrieb Franz Reinisch das Heimkehrlied. Die Stunde seiner Liebe, seiner völligen Hingabe kam in Brandburg-Görden: am 21.8.1942, 5.03 h wurde Franz Reinisch durch das Fallbeil enthauptet.
Eine Fackel der Liebe hat sich freiwillig seinem Gewissen untergeordnet und mit der Muttergottes als Leidensrose diesen schweren Weg geschafft.
Ein beispielhaftes Leben mit Zivilcourage: Franz Reinisch: „Unverrückbar wie die Berge, steht unser Glaube an Christus und Maria.“
Wie hat Pater Franz Reinisch diesen Weg als einziger Priester geschafft? Der Referent zeigte dies an den heimatlichen Wurzeln auf.
Er wuchs als ganz normaler Junge auf: Ein Gymnasiast mit Humor, den Schalk im Nacken, ein Jurastudent mit eigenem Kopf, beheimatet im Glauben und Geborgenheit in seiner Familie. Das wären Stichpunkte seiner Jugendzeit.
Auch das gab es, die erste große Liebe, eine Studienkrise mit Folgen, weil sich ein Feuer einer stärkeren Liebe auftat, zu Gott. Sie führte zur Erkenntnis: „Gott braucht mich als Priester!“ Das Ringen um die Priesterweihe blieb ihm nicht erspart. Aber das Feuer der Liebe war stärker und Pater Franz Reinisch wurde zum Priester geweiht.
Lebensspuren von Franz Reinisch führen schließlich ins Frankenland nach Untermerzbach. Dort begann das Noviziat mit einem Paukenschlag. Es bestand Rauchverbot, das bedeutete für den Novizen total kalter Entzug. Ein misslungener Fluchtversuch führte ihn zur Lourdesgrotte. Dort vernahm er ein deutliches „Bleib!“
Eine Entdeckung mit Folgen: Franz Reinisch entdeckte in einer Zeitschrift eine Spur, die ihn schließlich zu Pater Josef Kentenich und zur Schönstattbewegung führte. Sie war sein starker Halt bis zuletzt.
Als Seelsorger war er immer wieder in Bamberg unterwegs. Fotos belegten die Aufenthaltsorte in Bamberg.
Pater Franz Reinischs Fackel der Hoffnung und Liebe brennt bis heute. Seine Gewissenstreue fordert auch uns heraus. Seine Zivilcourage ermutigt den modernen Menschen zum prophetischen Protest.
Und seine Seligsprechung wird sehnlichst erwartet. Die Unterlagen befinden sich in Rom.
Am Ende des Vortrags waren die Männer mucksmäuschenstill. Reinisch geht wahrlich unter die Haut!
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Ein Zeuge der Hoffnung?
Was hat mich am Lebenszeugnis von P. Reinisch besonders berührt?
Wann habe ich Zivilcourage gezeigt?
Folge ich meinem Gewissen?
Die am Ende gestellten Impulsfragen führten zu persönlichen Erfahrungen der Teilnehmer, die sie offen teilen konnten, beeindruckt vom Vorbild Pater Franz Reinisch, als Fackel der Hoffnung und der Liebe. Spuren von ihm gibt es einige auf dem Marienberg zu entdecken.